Prägnant und kompakt
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Sokrates: Eine Einführung (Taschenbuch) Prägnant, kompakt, auf das Wesentliche bedacht, aber nichts davon übergehend - so sollte eine Einführung zu Sokrates sein. Ekkehard Martens, Doktor der Philosophie und Professor für Didaktik der Alten Sprachen, ist gleichzeitig Übersetzer einiger Platondialoge in Reclams Universalbibliothek (Charmides, Theatet, Parmenides).
Zunächst stellt sich der Autor die Frage: Was wissen wir über den historischen Sokrates? Xenophon, Aristophanes und Platon werden als Quellen herangezogen, wenn es um die „Sache des Sokrates" geht. Dabei muss man sich stets des Unterschiedes zwischen der Person Sokrates selbst und dem Sokratismus seiner Anhänger bewusst sein, will man der Wahrheit einigermaßen auf die Spur kommen.
Im Folgenden stehen Bilder und Porträts des Philosophen auf dem Prüfstand. Doch was kann man aus ihnen über sein Leben und seine Gedanken erfahren? Ist es möglich, sich auf diese Weise den wesentlichen Merkmalen des wirklichen Sokrates anzunähern? Die überlieferten Porträts beruhen weder auf einer individuellen Charakterzeichnung noch auf einer allgemeinen Typisierung. Es kristallisiert sich bereits früh die Deutung als „weiser Silen" heraus: Silen, der Ziehvater und Erzieher des Dionysos, der nicht zuletzt durch den Midas-Mythos zu unsterblicher Berühmtheit gelangt ist.
Eine Statue aus dem British Museum zeigt Sokrates in der typisch bürgerlichen Tracht seiner Zeit, wie er mit der Rechten am unteren Mantelsaum nestelt - eine Geste, die seine prüfende, abwägende Denkart ausdrücken könnte. Die römische Marmorkopie einer Sitzstatue des Chrysipp wiederum stellt Sokrates dar, der im Gespräch seine Argumente an den Fingern aufzählt. Bemerkenswert ist in jedem Fall, dass sein Erscheinungsbild (dicker Bauch!) dem griechischen Schönheitsideal der Kalokagathia widersprach.
Sokrates, der bekanntlich keine Schriften hinterlassen hat, war - wie im Übrigen auch sein großer Schüler Platon - davon überzeugt, dass sich die wirkliche Philosophie letztlich nicht in geschriebenen Sätzen mitteilen lasse. Die Gefahr des schriftlich fixierten Wissens besteht vor allem darin, dass es sich oft im konkreten Einzelfall als nutzlos oder sogar irreführend erweisen kann; es verkommt ohne Anwendung auf die konkrete Situation zu einem Scheinwissen. Stattdessen bevorzugt Sokrates den Vergleich seiner Tätigkeit mit der eines Bildhauers und einer Hebamme.
In der „Was ist das"-Frage sieht Martens den Kernpunkt der sokratischen Tätigkeit. Schon Aristoteles erkennt das Ringen des Sokrates um Definitionen als eine seiner größten Leistungen, denn erst darauf aufbauend könne man logische Schlüsse ziehen. Gerade für die frühen Dialoge Platons trifft dies in der Tat zu: Sokrates wendet sich in diesen vor allem der Definition ethischer Begriffe wie Gerechtigkeit, Besonnenheit, Frömmigkeit oder Tapferkeit zu. Aber auch in den späteren Dialogen wird beispielsweise danach gefragt, wie nun der ideale Staat bzw. der ideale Staatsmann beschaffen sein müssen. Dennoch ist die „Was ist das"-Frage in der Auslegung, Bewertung und Wirkung umstritten, und die Frage nach dem Wissen ist auch immer eine Frage nach dem sokratischen Nichtwissen.
Schmerzlich vermissen wird der Leser dieser gelungenen Einführung höchstens ein Register der Eigennamen und Sachbegriffe. Dafür entschädigen die gewissenhaft recherchierten Zitate mit genauen Stellenangaben aus der Primärliteratur, die zu einer noch intensiveren Beschäftigung mit dem großen Denker der griechischen Antike einladen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 28. April 2005
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